Seit einigen Jahren findet in Unternehmen eine stärkere Ausrichtung zu prozessorientierten
Ansätzen statt. Neben Herausforderungen wie dem Aufbau prozessorientierter Organisationsstrukturen
bedarf die erfolgreiche Einführung von prozessorientierten Abläufen aber auch wesentlich einer
Unterstützung von adäquaten IT-Werkzeugen und –methoden. Diese werden werden unter dem Namen BPM
(Business Process Management) und prozessorientiertes EAI (Enterprise Application Integration) am
Markt angeboten.
Die Teildisziplinen von BPM sind Geschäftsprozessmodellierung, -automatisierung, -monitoring
und –optimierung. Diese Einzelbereiche werden bereits seit einigen Jahren mit IT-Werkzeugen
unterstützt, neu ist jedoch der Anspruch alle Bereiche mittels einer einzigen Softwaresuite
bedienen zu können.
Führende Anbieter wie webMethods, Tibco, inubit und SAP XI erfüllen bereits jetzt die
Anforderungen dieses ganzheitlichen Ansatzes.
Wie aktuell und zielführend dieser ganzheitliche Ansatz ist konnte bei einer
Fachveranstaltung von Qualysoft im Mai in der Wiener Urania gezeigt werden. Dabei präsentierten OMV
und Raiffeisen Capital Management ihre erfolgreichen Umsetzungen dieser Konzepte.
In Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Prozessmanagement und der Donauuniversität Krems
(Prozessmanagement) wurde verdeutlicht, dass neben der Zusammenführung der Teildisziplinen zum
holistischen Ansatz die Bereiche BPM und EAI aktuell einige bedeutende Erweiterungen erfahren.
Herausragend dabei sind Geschäftsregelsysteme (Business Rules Engines), Geschäftsprozessmonitoring
(Business Activity Monitoring) und die Standardisierungsaktivitäten im Umfeld von
serviceorientierten Architekturen zu nennen.
Business Activity Monitoring
Der ganzheitliche Ansatz ermöglicht darüber hinaus auch die Entstehen neuer Bereiche.
Business Activity Monitoring (BAM) vereint die Ansätze von Prozessmonitoring mit jenen von Business
Intelligence. Vereinfacht gesprochen werden dabei beim automatisierten Ablauf von
Geschäftsprozessen Daten extrahiert, zu KPIs aggregiert und mittels Berichtswerkzeugen den
Prozessverantwortlichen gezeigt. webMethods zeigt in diesem Bereich eine besonders innovative
Lösung bei welcher das KPI-Monitoring noch um Methoden aus dem Artificial Intelligence Bereich
erweitert werden um Trends und Prognosen der Prozess-KPIs zu ermitteln. Im Konkreten wird es
dadurch möglich frühzeitig Probleme im aktuellen Prozessablauf zu erkennen und über
Benachrichtigungsmechanismen somit rechtzeitig ein Eingreifen zu ermöglichen. Somit ist der Wechsel
von einer reaktiven Problembehebung auf eine proaktive Warnung gegeben.
Business Rules
Eine der Grundanforderungen von Unternehmensfachbereichen an die IT ist die Flexibilität und
Geschwindigkeit der Umsetzung neuer Spezifikationen. EAI und BPM Lösungen ermöglichen durch den
Einsatz graphischer Prozessdarstellungen bereits eine vereinfachte und beschleunigte Kommunikation.
Zunehmends steigt jedoch auch der Bedarf, dass die Geschäftsregeln (z.B. Kreditvergabekriterien,
Kampagnensteuerung) direkt in den IT-Systemen von den Fachbereichen gesteuert und bedient werden.
Diese Aufgabe wird durch Business Rules Engines ermöglicht, indem möglichst einfache
Benutzeroberflächen die Konfiguration des Regelwerkes ermöglichen andererseits die hocheffiziente
Abarbeitung mittels Rete Algorithmen sichergestellt ist. Analog zu den Trends zur Vereinheitlichung
von Prozessmodellierung und –automatisierung werden auch spezialisierte Rules Komponenten in naher
Zukunft in BPM Lösungen zu finden sein.
Standardisierungen und serviceorientierte Architekturen (SOA)
EAI Werkzeuge sind bereits seit einigen Jahren erfolgreich am Markt. Bis vor kurzem waren
sämtliche Produktansätze
Ein vielgehörtes Zitat wie „EAI ist tot – SOA ist eingetroffen" ist selbst nach dieser kurzen
Überlegung bereits ad absurdum geführt. Was vielmehr zutrifft ist die Tatsache, dass nun endlich
auch im Bereich von EAI und BPM Standards eingeführt werden und aufgrund der ersten Indikatoren
auch von sämtlichen Softwareherstellern unterstützt werden. Vorsicht ist jedoch noch geboten, da
die aktuellen Standards noch nicht die Funktionsbreite der proprietären Ansätze abdecken können.
Offensichtlich wird diese Einschränkung beim Prozessstandard BPEL (Business Process Execution
Language). Hier fehlen noch Ansätze wie menschliche Interaktionen (Workflow) mit automatisierten
Prozessen kombiniert werden können (eine Initiative von IBM und SAP nimmt in einem White-Paper
Stellung). Erweiterungsmöglichkeiten wie BPEL neben Aufrufen von Webservices auch einfache
Erweiterungen wie z.B. Aufrufe von Java-Komponenten integrieren kann ist ebenfalls noch nicht
standardisiert (Whitepaper von IBM und BEA ist vorhanden).
Zum Autor:
Herr Dr. Herbert Liebl ist Leiter des Bereiches BPM / EAI bei Qualysoft, einem
IT-Dienstleister mit 200 Mitarbeitern. Er unterrichtet an der Donau Universität Krems – Lehrgang
für Prozessmanagement.
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